Mittwoch, 18. Oktober 2006
Greve! Greve!
Es regnet in Stroemen und stuermt - derzeit ist in Portugal wirklich kein gutes Wetter. Dennoch: Es ist relativ warm, die Temperaturen schwanken um die 20 Grad.

Waehrend in Deutschland relativ selten gestreikt wird, ist das ja bekanntlich in Sued- und Westeuropa ganz anders. Viel hoert man ja besonders von den italienischen und franzoesischen Arbeitern, aber, ich muss sagen, auch die Portugiesen sind ziemlich streikfreudig. Das musste ich jetzt auch selbst erleben. Bereits letzte Woche streikten die Hilfskraefte in der Schule; also diejenigen Damen und Herren, die die Aufsichten, das Bibliothekspersonal, den Verkauf im Schreibwarenladen, etc. stellen. Nun hatten sich die portugiesischen Lehrer entschlossen diese Woche ebenfalls zu streiken. Das hiess nun, dass gestern zwei meiner drei Stunden komplett ausgefallen sind, heute wurde eine immerhin vertreten. Ob die Lehrer freundlich sind, erkennt man daran, ob sie einem sagen, dass sie streiken oder nicht. Der Witz dieses Streikes soll sein - wurde mir erklaert - dass die Schueler in der Schule rumlungern und dann nicht wissen, was sie tun sollen. Gluecklicherweise haben uns die Lehrer fuer die gestrigen Stunden gesagt, dass sie streiken und so konnte ich etwas laenger schlafen. Ueber den Streik, auf portugiesisch "Greve", wurde natuerlich lang und breit in den Nachrichten berichtet. Es wurden zahlreiche Schueler gezeigt, die nicht wissen, was sie machen sollen, sowie verzweifelte Direktoren, die auf die Lehrer schimpfen. Achja: ich glaube, die Lehrer wollen mehr Geld, aber so richtig habe ich das nicht verstanden.

Inzwischen dank vieler Zusendungen gut mit Literatur versorgt. Als ersten kamen ja die Buecher von meiner lieben Mutter; einmal Russendisko, dann die Gebrauchsanweisung fuer Portugal sowie die Geschichte der Eisenbahnreise. Als naechsten kam dann von der Wikipedianerin Lecartia aus Berlin-Moabit die Schachnovelle, die ja leider extrem duenn aber sehr interessant war. Darauf erhielt ich Tod in Lissabon von meinem Onkel + Familie zweiten Grades aus den USA (Der Sohn der Schwaegerin meines Grossvaters). Als letztes kam dann gestern drei Buecher mit den Titeln Das Focaultsche Pendel, Die Entdeckung der Langsamkeit sowie Die Entdeckung des Himmels. Das Mysterioese an der letzten Sendung war, dass sie mit einem Umschlag des Correio Verde, der portugiesischen Post, geschickt wurden. Ich habe zwar eine Ahnung von wem die Buecher sind (vmtl. aus Koeln), aber wie sind die in einem Umschlag des portugiesischen Post gekommen? Ausserdem war nirgendswo ein Name, ein Absender erwaehnt. Komisch, komisch. Fuer die Buecher moechte ich mich trotzdem bedanken :-)

So, nun verlangt meiner Gastschwester wieder nach dem Laptop, sodass ich nicht mehr schreiben kann. Am Wochenende findet dann das "Midstaycamp" meiner Organisation statt, wo ich eine "deutsche Tracht" anziehen und eine "Spezialitaet" mitbringen soll. Fuer ersteres werde ich wohl auf die Tracht "Deutscher Fussballfan" zurueckgreifen muessen, da ich bedauernswerterweise keine Lederhosen und sonstige bayerische Utensilien besitze. Als Spezialitaet werde ich wohl einen normalen Apfelkuchen oder einen Nudelsalat mitbringen - was ist schon typisch deutsch!??

Até breve und bis bald --Cornelius

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